Ein Tal kämpft um Freiheit!

Ganz Kärnten an Jugoslawien

 

Der sogenannte „Slowenische Volksrat“  forderte zeitweilig ganz Kärnten für Jugoslawien, stellte aber alsbald seine Forderungen dahingehend zurück,  daß er das Gebiet Kärntens, das südlich der Linie Lavamünd – Völkermarkt- Klagenfurt – Villach – Hermagor lag, für den neuen Staat im Süden beansprucht. In den Wirren des Zusammenbruchs und der Auflösung der Monarchie schien die Zeit hiefür gekommen zu sein und die Dinge nahmen auch im Lavanttal ihren Lauf.

 

Bereits Anfang November 1918 waren die deutschen Gendarmerieposten im Mießtal von slowenischen Freischärlern vertrieben, und der bereits auf steirischem Gebiet liegende Bahnhof Unterdrauburg von einem slowenischen Detachement  besetzt worden. Dadurch war man im Lavanttal hellhörig geworden. Leutnant Gönitzer stellte aus Freiwilligen in Unterdrauburg eine Ortswache zusammen und sperrte mit Posten die Straßenbrücke zum Bahnhof und die Eisenbahnbrücke. Unter tragischen Vorkommnissen gelang es jedoch am

3. Dezember 1918 den Slowenen, in den deutschen Markt Unterdrauburg einzudringen und diesen zu besetzen. Die Slowenen besetzten am gleichen Tag auch Lavamünd, stellten am Bahnhof in Ettendorf eine Wache auf und trafen am Abend des gleichen Tages in St. Paul ein. Ihr Oberleutnant Jurkowitsch erklärte dem St. Pauler Stationskommandanten, Oberstleutnant Anton Fürnschlief, daß sie im Auftrag von General Majster aus Marburg gekommen waren, um Ordnung zu halten. Die deutsche Verwaltung  wurde abgesetzt und an mitgekommenen Slowenen übertragen.

 

Der Plan, die ungebetenen Eindringlinge aus dem Lavanttal zu vertreiben, wurde schon am ersten Abend der Besetzung von heimischen Reserveoffizieren gefaßt. Zusammen mit dem in Wolfsberg aufgestellten “Volkswehrbaon Nr. 10 (Kommandant Dipl.-Ing. Valentin Maierhofer) gelang es am frühen Morgen des 27. Dezember 1918 ohne eigene Verluste, den Markt St. Paul zu befreien. Leider wurde der weitere Vormarsch nach Lavamünd – Unterdrauburg von St. Paul aus viel zu spät angesetzt und durch einen Feuerüberfall slowenischer Rückzug beim „Altacherwirt“ zudem noch derart aufgehalten, daß man erst am späten Abend in Lavamünd eintraf und dort nächtigte. Als man am frühen Morgen zur Befreiung des Marktes Unterdrauburg aufbrach, war bereits die Chance der Überraschung vertan und es unterblieb aus heute noch nie ganz geklärten Zusammenhängen damals die durchaus mögliche Befreiung. Aber auch sie hätte Unterdrauburg kaum für Österreich gerettet, denn dieser wichtige Verkehrspunkt wurde auch später von der Volksabstimmung ausgeklammert.

 

Im Lavanttal wurde eine zusammenhängende Frontlinie, bestehend aus Feldwachen und Stützpunkten, aufgebaut. Über Anordnung des Kärntner Landesbefehlshabers, Oberstleutnant Ludwig Hülgerth, wurde Oberstleutnant Kornelius Umfahrer Kommandant aller Formationen im Lavanttal, wobei er den Namen „Unterbefehlshaber“ führte. Ihm unterstellt war Oberstleutnant Anton Fürnschlief als Abschnittskommandant. Abgesehen von kleinen örtlichen Plänkeleien blieb die Frontlinie daher im Lavanttal bis zum 29. April 1919 ziemlich ruhig. An diesem Tag versuchte eine von Oberleutnant Cerne geführte slowenische Abteilung den Markt Unterdrauburg zu nehmen. Das Unternehmen endete aber mit der Gefangennahme der Slowenen im „Kreuzhof“, wobei auf Kärntner Seite der Korporal Georg Klingbacher und weitere sieben Männer und Frauen fielen. Auf Grund des allgemeinen Rückzuges der Eindringlinge  aus Kärnten fanden im Lavanttal keinerlei Kampfhandlungen in diesem Zeitabschnitt mehr statt und wurde Unterdrauburg und der ihm vorgelagerte Grenzraum am 7. Mai kampflos besetzt und gesichert. Durch die unklare Haltung der aus Wien zugeschobenen „Volkswehr“, die es ablehnte, an den Kampfhandlungen teilzunehmen, war die einmalige Chance verpaßt worden, dem Lavanttal bereits am 5. oder 6. Mai 1919 den Vormarsch anzutreten, um im Raume Unterdrauburg  ein Entweichen  der slowenischen Verbände nach Marburg und Windisch-Cilli zu verhindern. Dies  sollte sich auch bitterlich rächen.

 

Die jugoslawische Niederlage in Kärnten, die mit der Vertreibung aller ihrer Truppen aus unserem Lande am 7. Mai 1919 abgeschlossen war, blieb nicht ohne Folgen. Gegen Kärnten wurde die 4. Serbische Armee, der neun Infanterieregimenter mit den dazugehörenden Artillerieeinheiten und dergleichen mehr angehörten, aufgeboten. Der Hauptstoß mußte sich, um Kärnten von Osten her zu erobern, gegen das Lavanttal richten. Tatsächlich ging etwa die Hälfte dieser Armee Ende Mai gegen das Lavanttal vor. Die Kampfhandlungen nahmen am Morgen des 28. Mai 1919 mit der Beschießung des Marktes Unterdrauburg ihren Anfang. Erwartete Initiativen der Steirer zur Befreiung ihres besetzten Unterlandes waren gänzlich ausgeblieben, was den Kärntner bis zur heutigen Stunde einfach unverständlich erscheint. So richtete sich der ganze Druck der serbischen Armee vornehmlich auf den Raum Unteres Lavanttal. Und dennoch hielten die Volkswehreinheiten aus Kärnten und die Lavanttaler Freiwilligenformationen sowie Studenten aus Leoben und Forstschüler aus Bruck an der Mur, den Vormarsch derart auf, daß die Südslawen für die wenigen Kilometer von Unterdrauburg nach St. Paul, das am 2. Juni besetzt wurde, fünf Tage brauchten. Sie rückten an diesem Tage in den Raum Ragglbach – Maria Rojach – St. Jakob bei St. Andrä, Tabakfastl – Bierbaumer vor, während sich die Kärntner in den Raum nördlich von St. Andrä zurückzogen. Nachdem das Ziel der Slawen, den Gerichtsbezirk St. Paul zu besetzen, erreicht war, rückten sie nicht mehr weiter nach Norden vor. Die Lavanttaler Freiwilligen hatten sich einmalig geschlagen.

 

Ende Juli 1919 zogen die Jugoslawen aus dem Lavanttal ab. Die einzige Abstimmungsgemeinde Lavamünd stimmte am 10. Oktober 1920 mit fast 99 % für den Verbleib bei Österreich und veränderte durch ihre Stimmenanzahl den Prozentsatz für Kärnten bedeutend.

 

 

Nur durch den Abwehrkampf kam es am 10. Oktober 1920 zu einer siegreichen Volksabstimmung in Kärnten. 59 % stimmten für den Verbleib bei Österreich.

 

Jenen aber, die freiwillig mit der Waffe in der Hand ihr Leben für die ungeteilte Heimat ein einsetzten, sei immerwährender Dank gesagt. Das Lavanttal hat im schwersten Abschnitt seiner Geschichte seinen Mann gestellt.

 

Der Kärntner Abwehrkampf forderte rund 200 Tote. Aus diesem beispiellosen Einsatz für Volk und Heimat entfallen allein 64 gefallene Frauen und Männer auf den Gemeinden aus dem Lavanttal.

 

Dohr Josef